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Streaming – steht der Urknall bevor?

Warum Streaming-Services erst mit der kritischen Masse ein solides Geschäftsmodell schaffen, der Long Tail sich trotzdem nicht verschiebt, und über den richtig smarten Zug von Spotify und Facebook. Streaming – steht der Urknall bevor? weiterlesen

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42 – The Number of the Cloud

42 – Das ist wohl die bekannteste Nummer des Planeten. Zumindest für alle, die soweit flügge in der Welt sind um „The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy“ gelesen zu haben. Mehrmals. Die Idee zu dem Buch kam Adams übrigens 1971, als er sternhagelvoll in einem Feld in der Nähe von Innsbruck aufwachte, nachdem er einige Gösser vernichtet hatte. Vielleicht ist Innsbruck ja der Nabel der Welt, von wo aus man die visionären, kreativen Ideen empfängt…

42 – Das ist die Antwort auf das Leben, das Universum und überhaupt alles (auch Google rechnet richtig). Warum gerade 42, das wissen wir nicht. Ist wohl so unergründlich wie die Frage selbst und auch so gut wie jede andere Antwort. Die Zahl allerdings wird von einem gigantischen, von Mäusen (der zweitintelligentesten Spezies auf dem Planeten, nach den Delfinen, versteht sich) betriebenen Supercomputer errechnet – der Erde selbst. Gebaut vor Millionen von Jahren durch irgendwelche durchgeknallten multi-dimensionalen Selbstfindungsfanatiker, die unbedingt eine Antwort auf die Frage brauchten, damit sie wieder mal eine Nacht durchschlafen können.

Und da sind wir beim Thema. Zwar sind wir Menschen nicht multi-dimensional (zumindest noch nicht, soweit ich weiß), mit dem Rest kann man sich aber durchaus anfreunden. Und unser Supercomputer ist zwar nicht die Erde selbst, umspannt diese aber relativ lückenlos (zumindest in den Industrieländern, siehe auch diese Facebook-Karte). Früher hieß das Teil mal Internet, was mittlerweile aber sooo 80ies klingt, da nennen wir das wohl lieber Web 2.0. Auf die 3.0er Version warten wir ja alle schon gespannt und sie wird sicher in die Richtung der großen, alleswissenden Müllhalde, pardon Wolke gehen.

Die Vorstellung an sich ist schon schön: alle Daten schön gespeichert auf irgendwelchen Serverfarmen, die digitalen Endlager meines online-Fingerprints. Keine Programme mehr installieren, nur mehr darauf zugreifen. Keine Daten mehr irgendwohin laden, keine externen Festplatten mehr, Videotheken mit vollem Zugriff auf alle Filme, Musikstreaming-Services, da braucht man kein MP3-Archiv mehr…

Doch wie heißts so schön: Was zu schön klingt um wahr zu sein, ist meistens auch nicht wahr. Cloud-Computing wird sicher die Zukunft sein, allerdings wirds da noch ein wenig dauern, bis der Konsument mitbekommt, was da jetzt eigentlich von ihm verlangt wird. Wir sprechen hier jetzt nicht von den Early Adoptern, den Cracks und Nerds, sondern von der nachziehenden Mehrheit der Menschen, die dann zur kritischen Masse führen und dann explodiert ein Ding. War bei iTunes so, nachdem da die ersten 2 Mio. iPods den Besitzer gewechselt haben, gings auch mit der Plattform bergauf. War auch mit den Smartphones so. Kritische Masse in der Konsumentenschicht erreicht und puff, die Apps explodieren.

Die Cloud beginnt ja bereits jetzt stetig zu wachsen. Mit Spotify oder Simfy hab ich meine Musik überall dabei (zumindest, wenn das völlig veraltete territoriale Urheberrecht endlich mal erneuert wird), verlinkt nicht mit meinem PC, Notebook oder iPhone, sondern mit meinem Account. Dort, wo ich und meine Login-Daten sind, sind auch alle meine Songs. Und mit alle meine ich alle. Durch die Such- und Empfehlungsfunktionen ist das Ganze dann auch viel komfortabler, als wenn ich mich durch meine Externe und die einzelnen Alben-Ordner wühlen muss, bis ich was gefunden hab. Oder mir die iTunes Library wieder mal abschmiert, weil sie überfordert ist.

Die Cloud ist aber auch sowas wie Dropbox. Mittlerweile hab ich über zumindest 3 PC’s, 1 Notebook und mein iPhone Zugriff auf meine Daten, Word-Files, PDF, alles wird automatisch synchronisiert. Vorteil: geht die Festplatte in die Knie sind die Daten immer noch da. Unsterblich in der Cloud. Oder generell mit Anwendungen arbeiten. Keine Installation mehr nötig. läuft alles über das Web. Officelive zum Beispiel. Oder GoogleDocs.

Mit der Cloud werden aber auch Sachen so richtig Unkaputtbar. Früher konnte man durch Verhaften, Aburteilung und Hinrichtung der Rädelsführer relativ rasch ungünstige Meinungsmacher zum Schweigen bringen. In Zeiten des Internets geht das nicht so leicht. Das Internet ist die moderne Hydra. Schlägt man ihm einen Kopf ab (zB man verhaftet einen gewissen Julian Assange) und glaubt, damit wär alles geklärt, finden sich genug Freiwillige, die den Inhalt der betreffenden Website auf ihren Webseiten spiegeln und so die Datenmenge derart oft replizieren, dass es unmöglich wird, alle Versionen zu löschen. Die digitale Unsterblichkeit.

Klingt doch alles super, oder? Nur ist der Mensch meist ein besitzgesteuertes Individuum, dass sich zum Teil nur darüber definiert, was seinem Machtbereich unterliegt. Darum kaufe ich mir CDs und stell sie ins Regal – zum Posen. Bücher, von denen ich einige wahrscheinlich nie lesen werden, stelle ich mir rein, damit sie imponieren, wenn Gäste kommen. Der Flat-Screen, die Heimkino-Anlage, etc. Das alles ist Besitz. Warum tu ich mir das an und saug mir Terrabytes and MP3s und Filmen aus dem Netz, wenn ich über Streaming sowieso über kurz oder lang alles verfügbar habe? Nicht weil ichs so toll finde und mir immer die ganze Sammlung durchhöre. Sondern weil ich Besitzen will. Möglichst viel anhäufen und mein Eigen nennen. Meine eigene, persönliche Datencloud sozusagen. Mein Schatz. Die nur ich habe und mit der ich bei meiner Wohnungsparty angeben kann, weil ich den neuesten, heißesten Scheiß habe, der bei uns erst in 3 Monaten auf CD rauskommt.

Wenn es die Cloud-Anwendungen schaffen, dieses Besitzdenken umzulegen, auf die anarcho-demokratische Funktionsweise des Internets (oder den Begriff Besitz neu zu definieren), spricht sehr viel für den Erfolg dieser Anwendungsform und es könnte tatsächlich eine weltweite Wissensdatenbank entstehen, die noch größer ist, als alles bisher dagewesene und vor allem organisierter. Posen muss ich natürlich auch noch können. Zum Beispiel, in dem ich all meinen Freunden meine Playlist empfehle. Mit dem neuesten, heißesten Scheiß, der bei uns erst in 3 Monaten auf CD rauskommt, wenn überhaupt. Brauch ich keine CD-Sammlung dazu, Posen-Deluxe, das geht über das Internet und meine bis dahin 50.000 Facebookfreunde.

Vielleicht kommt die Cloud dann auch mal auf die Antwort nach dem Leben, dem Universum und überhaupt Allem. Vielleicht ist es auch 42. Vielleicht entwickelt sich daraus auch etwas Unzähmbares. Und statt 666 heißts dann 42 – The Number of the Cloud.

Netzwerk gefällig? Jetzt hochkonzentriert!


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Wer kennt sie nicht, die Social Networks. Die Flaggschiffe des Web 2.0, tonangebende Spitzenreiter der Netzkultur und Paradebeispiel für digitale Hypes. Aus der simplen Idee entstanden, ein paar Menschen mit gleichen Interessen zusammenzuschließen, damit diese sich gemeinsam austauschen können, stehen hinter Portalen wie MySpace, YouTube oder Facebook mittlerweile milliardenschwere Unternehmen, die hier die nächsten großen Gewinne riechen. Neben aktuellen Trends zu noch mehr Funktionalität und plattform-übergreifenden Applikationen um so Nutzer auf die jeweilige Site zu ziehen, sprießen die Social Networks nur so aus dem Boden.

Besonders interessant ist es, die regionale Verbreitung der Social Networks zu betrachten, wie es etwa bei valleywag.com gemacht wird:

Hier relativiert sich die Dominanz der bekanntesten Networking-Plattformen. Besonders im deutschsprachigen Raum tritt studivz als beliebteste Plattform zu Tage, dies hängt maßgeblich mit der Tatsache zusammen, dass Facebook, obwohl gleich aufgebaut und auf die gleiche Zielgruppe abzielend, erst verspätet seine deutsche Version online geschalten hat.

In den USA steht MySpace mit einem Marktanteil von etwa 80% (Februar 2007) klar an der Spitze der Social Networks, gefolgt von Facebook mit 10% und Bebo mit knapp 1% (Quelle: Hitwise bzw. „The Socal Web“/Steve O’Hear). Der Erfolg spricht für sich, oder etwa nicht?

Auch in Österreich wird auf die Community-Funktionen gebaut. Auf praktisch jeder Medien-Seite wird die Möglichkeit geboten, Kommentare zu den Inhalten abzugeben – klarerweise muss man sich dafür registrieren. Sms.at hat beispielsweise im Oktober 2007 ihr Community-Service gestartet und wirbt damit, „die besten Funktionen aller Online-Communities auf einer Plattform“ zu vereinen. Ohne jetzt sms.at, eine seit Jahren etablierte Plattform in Österreich, kritiseren zu wollen, ist es leider vielfach so, dass sogenannte Communities allzuoft zahnlos bleiben und keinen echten Mehrwert im Austausch für persönliche Daten und die eventuelle Identifikation mit dem Service bieten. Irgendwie hat es den Anschein, dass einfach jeder auf den Web 2.0 Zug aufspringen will, der gerade mit Vollgas durchs Internet rauscht. Dabei mangelt es durchaus nicht an kreativen Ideen, die die Communities bieten. Alpengluehen.com – das Netzwerk für Freizeit und Unterhaltung im österreichischen Raum bietet vielfältige Möglichkeiten, mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten und zu interagieren. Tripwolf.com, ein neues österreichisches Internet-Startup, setzt ebenfalls auf den Faktor Tourismus.

Ein Hauptproblem der Communities und Social Networks wird es in Zukunft wahrscheinlich sein, innovativ zu bleiben, und den Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein. Studivz beispielsweise erinnert verdächtig an Facebook, der große Unterschied lag allerdings hierbei im Vorsprung durch die Sprachbarriere. Interessant wäre es gewesen, die Entwicklung zu beobachten, wäre auch Facebook von Beginn an in deutscher Sprache gestartet.

Das zweite Problem durch wie Pilze aus dem Boden schießende Plattformen wird das Generieren einer kritischen Masse sein, welche letztendlich über die Attraktivität für die Werbekunden entscheidet, um die einzelnen Sites zu finanzieren. Besonders in einem kleinen Markt wie Österreich, der ja auch im traditionellen Medienbereich nicht gerade durch Vielfalt punktet, wird sich heraustellen, wie Nischenprodukte, oder speziell auf den Markt zugeschnittene Produkte die internationale Konkurrenz fordern können.

Wird das Web 2.0, die soziale Revolution im Netz, genauso zur Internet-Blase werden, wie damals eCommerce? Endlos aufgebläht, schließlich explodiert und nun in normale Wachstumsbahnen gelenkt? Angesichts der Investitionen einiger großer Konzerne in Projekte wie MySpace oder Facebook, könnte es wohl so anmuten. Interessant wird, ob hier eine ähnliche Konsolidierungsphase einsetzen wird, wie es sie etwa in den USA in der Entertainment-Industrie und hier vor allem in den Bereichen Film, Musik und Radio gab und gibt.